Klinge, kleines Frühlingslied – Chortreffen 21.-24. März 2019

Es ist bemerkenswert, zu welch tiefen Ansichten Dichter und Philosophen gelangen: Ludwig Uhland dichtete den Vers von den Frühlingswinden, die "neue[n] Klang" in die Welt bringen; der US-Amerikaner Henry David Thoreau formulierte, dass der Frühling "eine echte Auferstehung, eine Unsterblichkeit" sei; der Tscheche Karel Čapek beschwor bildhaft diese Zeit: "[P]feifet, ihr Flöten und Schalmeien, verströmt euren Saitenklang, ihr ungezählten Geigen!"; nicht zuletzt Anton Günther mit dem vertonten Wunsch "Himmelschlüssela, blüh!"

Die Jahreszeit ist Inspiration, also ein guter Zeitpunkt für das Treffen zwischen unseren Chören und Mariella aus Pilsen. Das Wiedersehen am Donnerstagabend, dem 21. März 2019, war herzlich. Gasteltern begrüßten ihre Kinder auf Zeit mit Handschlag oder schlossen sie in ihre Arme. Da hatten unsere tschechischen Gäste schon erste unvergessliche Eindrücke gesammelt: die Fahrt nach Drebach durch unsere Erzgebirgslandschaft mit klarem Blick in die Ferne bis in die böhmische Heimat, die sonnige Wärme des Tages auf der Haut, das Staunen über die mit Krokussen übersäten Wiesen und natürlich die fiktive Reise ins All und zu den weltweit größten Fernrohren der Erde, zu der das Planetarium Drebach eingeladen hatte.

Vier Stunden Unterricht erlebten die jungen Tschechen am Freitag in verschiedenen Klassenstufen, bevor die Proben am Mittag zum sonnabendlichen Konzert begannen. Zwei Stunden Freizeit waren willkommen und dann nahmen die Jugendlichen die Aula in Beschlag, um zu feiern, zu Songs von ihren Bands gespielt. Eltern, Lehrer und Mitglieder des Fördervereins sorgten für Kulinarisches an diesem Abend. An dieser Stelle der herzliche Dank an alle Mitstreiter, die an den vier Tagen den Aufenthalt durch ihre Tätigkeiten möglich machten! 

Der Samstagvormittag, wieder in strahlendes Himmelsblau gekleidet, brachte unsere Gäste in die Welt der Holzkunst, bestaunt im Nussknackermuseum Neuhausen. Die Zeit strebte dem Höhepunkt des Tages zu: Stell- und Sitzproben, Mikrofonchecks, Ein- und Auslaufen, letzte Korrekturen. Dann endlich 17 Uhr. Die Evangelisch-Lutherische Kirche Neuhausen war mit erwartungsvollen Gästen dicht besetzt. Sie erlebten ein Programm bunter Vielfalt mit drei Ensembles, getaucht in Licht und farbige Bilder, die die Inhalte der Darbietungen ästhetisch untersetzten. Die drei Chöre warteten mit Instrumentalisten auf; eine Projektband begleitete Solisten und den Olbernhauer Chor zu Welthits. Dass die Jugendlichen sich auch der tschechischen bzw. deutschen Sprache annehmen, bewiesen sie mit den Überraschungsliedern und dem gemeinsamen Finale. 

Finale klingt nach Schluss. Diese Chorpartnerschaft aber ist noch lange nicht am Ende, jedenfalls solange es Torsten Reichelt und Hana Beždeková als Chorleiter gibt und die Organisatoren an ihrer Seite sowie die vielen begabten Choristen, die liebe Freunde über ihre Ländergrenzen hinaus gefunden haben. Und ehrlich, der Aufforderung von William Shakespeare kann sich keiner so leicht entziehen: "Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, spielt weiter!" (NöbA)

 

Erstell- / Änderungsdatum: 26.03.2019