Am vergangenen Samstag war das Theater Variable in Olbernhau Schauplatz einer eindrucksvollen Aufführung der Theatergruppe ArtShock. Auf dem Programm stand Georg Büchners „Woyzeck“ – allerdings in einer ungewöhnlichen und faszinierenden Bearbeitung, die den historischen Stoff weit über seine ursprüngliche Zeit hinaus in unsere Gegenwart führte.
Büchners berühmte Gesellschaftskritik und sein Gedanke „Krieg den Palästen, Frieden den Hütten“ wurden zum Ausgangspunkt für eine Inszenierung, die Fragen nach sozialer Ungleichheit, Macht und Ohnmacht stellte. Aktuelle Bilder und Situationen von Krieg, Flucht und menschlichem Elend machten deutlich, dass Büchners Kritik auch fast 200 Jahre später nichts von ihrer Brisanz verloren hat.
Unter der Leitung von Dagmar Freier entstand dabei eine eigene Textwelt. Die Darstellenden entwickelten zahlreiche Texte selbst und verbanden Büchners „Woyzeck“ mit Motiven und Passagen aus anderen literarischen Werken. So entstand eine vielschichtige Collage, in der unter anderem Elemente aus „Der Sandmann“ und Goethes „Faust“ miteinander verschmolzen.
Besonders beeindruckend war das Zusammenspiel von Schauspiel, Licht und Musik. Das sorgfältig entwickelte Licht- und Musikkonzept schuf eine dichte, teilweise beklemmende Atmosphäre und machte die Bühne zu einem Raum, in dem Realität, Literatur und Fantasie ineinandergriffen.
ArtShock zeigte damit einmal mehr, dass Theater weit mehr sein kann als die Aufführung eines literarischen Textes. Es kann Fragen stellen, irritieren, aktuelle Probleme sichtbar machen und das Publikum dazu bringen, über die eigene Gegenwart nachzudenken.
Ein herzlicher Dank gilt Dagmar Freier für die Leitung und die beeindruckende Inszenierungsarbeit, dem Theater Variabel für die Zusammenarbeit und natürlich allen Darstellerinnen und Darstellern von ArtShock, die diesen besonderen Theaterabend mit großem Engagement und viel Kreativität gestaltet haben.
P.L.


