Schulentwicklung von 1939 bis jetzt

Anfänge der höheren Bildung in Olbernhau 

Gründung der Schule

 

Am 30. März 1939 wurde durch den Beschluss des Leiters des Sächsischen Ministeriums für Volksbildung die Errichtung einer öffentlichen Zubringeschule für die Städtische Oberschule für Jungen in Marienberg genehmigt.
Bereits am 5. Januar 1939 bestätigte dieser das Interesse an solch einer Schule, welche jedoch nicht als staatliche, sondern als städtische Zubringeschule gegründet werden sollte. Schon im April 1938 bezeugten das Sächsische Ministerium, die Stadt Olbernhau sowie der Zweiamtsbezirk Sayda das Bedürfnis an verbesserten Schulverhältnissen in der Region. Ziel dieser Schule war es, junge Kräfte in der Region zu halten, da diese bis zu diesem Zeitpunkt, wenn die finanziellen Mittel des Elternhauses vorhanden waren, die Gegend für eine höhere Schulbildung verlassen mussten. Die Schüler kehrten damals nur selten zurück, da sie von der zumeist städtischen und vor allem veränderten Umgebung stark geprägt wurden. Dies brachte außerdem schwerwiegende Nachteile in der Erziehung mit sich, weil das Kind sein zehntes bis sechzehntes Lebensjahr außerhalb des Elternhauses verbringen musste. Meist wurden die Kinder hierfür in Internaten in Annaberg, Zschopau, Nossen oder Stollberg untergebracht. Außerdem sollte den Schülern durch die Eröffnung der Schule die lange Anfahrtszeit dorthin erspart werden.

Olbernhau bot sich als Standort der schulischen Neugründung an, da es das Zentrum des Flöhatals bildet und somit gut von allen umliegenden Gemeinden erreichbar ist. Außerdem brachte die Annexion des Sudetenlandes 1938 und die damit einhergehende Grenzverlagerung des Deutschen Reiches ein größeres Einzugsgebiet der Schule. 

Ob nun diese Schule in Olbernhau entstehen sollte, wurde im Elternabend am 13. Februar 1939 entschieden. Alle Eltern, die ihre Kinder an einer höheren Schulbildung teilhaben lassen wollten, wurden dazu aufgerufen, diese Entscheidung mitzufällen.
Als Ergebnis jenes Elternabends kam es am 1. April 1939 zur Gründung eines Zweckverbandes aus den Gemeinden Seiffen, Neuhausen, Oberneuschönberg, Deutschneudorf und der Stadt Olbernhau sowie ab dem 1. April 1940 Niederneuschönberg. Die Gemeinden Rübenau, Blumenau und Rothenthal traten diesem aus finanziellen Gründen nicht bei. Pockau begründete den Nichtbeitritt mit der Tatsache, dass nur ein Kind des Ortes diese Schule besuchen würde. Der Bürgermeister der Stadt Olbernhau wurde zum ehrenamtlichen Leiter des Verbandes erklärt. Die Aufgabe des Verbandes war die Errichtung und Erhaltung der öffentlichen höheren Schule. Die Schulräume wurden von der Stadt Olbernhau gewährt, wofür sie eine Entschädigung aufgrund der abgenutzten Zimmer erhalten sollte. Bei einem erforderlichen Neubau der Schule, war die Stadt verpflichtet den Grund und Boden zur Verfügung zu stellen. Für die Kosten der Beleuchtung, Heizung und Reinigung des Gebäudes musste jedoch die Verbandskasse aufkommen. 

Die Aufnahmeprüfungen für die Schüler der ersten und zweiten Klasse fanden für die insgesamt 20 Prüflinge am 14. April statt. Die deutsche Sprache und das Rechnen wurden im mündlichen und schriftlichen Bereich geprüft. Außerdem fanden für die erste Klasse Prüfungen in Turnen und für die zweite Klasse Prüfungen in Englisch statt.  Nach dem erfolgreichen Abschluss und mit Beginn des neuen Schuljahres am 17. April 1939  wurde die „Oberschule für Jungen (Klasse 1 und 2) -Gemeindeverbandschule - Olbernhau/Erzgebirge“ eingeweiht. Diese befand sich noch in der damaligen Volksschule am heutigen Gessingplatz. 

Insgesamt 62 Schüler besuchten in diesem Jahr die Bildungseinrichtung: 44 Kinder wurden in der ersten und 18 Kinder in der zweiten Klasse von drei vorhandenen Lehrkräften unterrichtet. 

Abb. 1: Schule am Gessingplatz

 

Aller Anfang ist schwer-
Schulgeschichtliche Entwicklung der Oberschule für Jungen in Olbernhau von 1939-1945

 

Als Leiter der Oberschule arbeitete ab 1939 der Studienrat Horst Handrick. Ihm zur Seite standen die Studienassessoren Domschke und Rockstroh. Letzterer wurde jedoch schon am 29. August zur Wehrmacht einberufen, wodurch die Gesamtstundenzahl der anderen Lehrer pro Woche auf über 30 Stunden stieg. Als neuer Englischlehrer wurde der Studienassessor Hartung eingesetzt. Nachdem dieser später ebenfalls für den Wehrdienst einberufen wurde, musste der Volksschullehrer Roder den Englischunterricht übernehmen. Er hatte allerdings keine vollständige Ausbildung in der Anglistik und unterrichtete außerdem an seiner eigenen Volksschule, weshalb dies nur eine vorübergehende Lösung war. Es wurde dringend eine Lehrkraft für Englisch gebraucht, wenn der Unterricht sein Ziel erfüllen sollte. Die Klasse 1 der Oberschule für Jungen bestand aus reinen Neuaufnahmen, während die Klasse 2 aus der Volksschulselekta entstand. Im Dezember 1939 kam die Anweisung an alle sächsischen Schulen, einen Aushang am Schwarzen Brett zu veröffentlichen, der an die Schüler appellierte, sich freiwillig für den Wehrfunk zur vormilitärischen Ausbildung der Marine-Funker zu melden. Noch während der Planungen für die 3. Klasse wurde auch Studienassessor Domschke am 8.1.1940 zur Wehrmacht abberufen. Studienrat und Schulleiter Horst Handrick übernahm nun allein den Unterricht beider Klassen und wurde nur durch den Volksschullehrer Roder mit 10 Englischstunden pro Woche unterstützt. 

Für das neue Schuljahr, das am 1. April 1940 begann, gab es 33 Neuanmeldungen für die Klasse 1, die schließlich von 27 Jungen und 13 Mädchen besucht wurde.
Der Klasse 2 gehörten ebenso viele Jungen und 9 Mädchen an. Die Klasse 3 existierte erst seit Anfang des Schuljahres und wurde bereits von 14 Jungen und 7 Mädchen besucht. Studienassessor Enge, der von der Volksschule beurlaubt wurde, begann seine Tätigkeit als Lehrer an der Oberschule für Jungen in Olbernhau noch 2 Lehrer für 3 Klassen zur Verfügung, wodurch die Wochenstundenzahl beider Lehrer auf je 42 Stunden stieg. Der Englischunterricht fiel komplett aus, bis ein früherer Lehrer des Olbernhauer Sprachvereins, Herr Gläser, kurzzeitig dafür eingesetzt wurde. Schließlich meldete sich Studienrat Handrick, trotz aller Schwierigkeiten, freiwillig zum Heeresdienst und wurde am 24.6.1940 einberufen. Nun war sein Stellvertreter Studienassessor Enge mit 3 Klassen und dem gesamten Unterricht allein, bis am 1.7. desselben Jahres die Studienassessorin Gotthardt von der Berufsschule Marienberg an die Oberschule Olbernhau kam. Sie hatte sprachliche Kenntnisse und konnte den Englischunterricht übernehmen. Nach der Einberufung Handricks bekleidete Enge den Posten des Schulleiters bis 1943. Am 1.9.1940 trat ein neuer Stundenplan in Kraft. Studienassessor Enge unterrichtete Deutsch, Geschichte, Erdkunde, Latein, die Leibesübungen für Jungen, Biologie und Musik. Der Unterricht in Englisch, Leibesübungen für Mädchen, Erdkunde und Deutsch wurde von der neuen Studienassessorin Gotthardt geführt. Die Mathematikstunden wurden von Studienrat Eberlein übernommen, der im Arbeitsurlaub vom Heer zurückkam. Die Fächer Handarbeit und das Turnen der Mädchen wurden von der Lehrerin Fräulein Teichmann unterrichtet. Ebenso die Leibesübungen der Mädchen der Klasse 2 an Samstagen. Außerdem wurden im Jahr 1940 die Jungen in Wehrerziehung geschult. Das bedeutete die „aktive Pflege eines wehrhaften Geistes in allen schulischen Fächern“. Sie sollten zu Mut, Tapferkeit und Ausdauer für seelische Belastungen erzogen werden. Trotzdem durften insgesamt nicht mehr Wochenstunden angesetzt werden. Am 23.6.1941 wurde Studienrat Eberlein zur Wehrmacht einberufen und erneut gab es nur 2 Lehrer für 3 Klassen, die nun eine Wochenstundenzahl von 40 Stunden abzulegen hatten. Doch auch dies schafften die beiden Lehrkräfte, wie eine am 21.7.1941 vom Ministerium festgestellte Leistungsprobe zeigte: die Leistungen der Schüler konnten gehalten werden.

Bereits am 18.4.1941 genehmigte das Ministerium für Volksbildung die Errichtung einer 4. Klasse für das Schuljahr 1941/42, allerdings unter Bedingung, keine weiteren Lehrkräfte aufzunehmen.
Für das neue Schuljahr, welches erst am 1. September 1941 begann, lagen schon 35 Anmeldungen vor, es mussten also weitere Lehrkräfte aufgesucht werden. Doch auch die Oberschule Marienberg wollte keinen ihrer 6 Lehrer an die Oberschule Olbernhau abordnen. Kurz darauf konnte endlich erreicht werden, dass der Studienassessor Keller ab Schuljahresbeginn nach Olbernhau kam. Mit dem neuen Schuljahr besuchten 123 Schüler und Schülerinnen in 4 Klassen die Schule. Unterrichtet wurden sie von 3 Lehrkräften: Studienassessor Enge, Studienassessorin Gotthardt und Studienassessor Keller, die allesamt 33-35 Wochenstunden leisteten. Jede Klasse wurde 5 Wochentage unterrichtet, mit je 24-26 Stunden. Außerdem setzte jede Klasse an einem Tag in der Woche aus. Die Klassenziele wurden in allen Fächern erreicht. Der Leiter der Schule, Studienassessor Enge, bat in einem Schreiben an das Sächsische Ministerium für Volksbildung um die Weiterführung der Klasse 4 zur Klasse 5 sowie um die Erweiterung des Stellenplanes und die Freistellung von Lehrkräften von der Wehrmacht. Erstere Bitte fand ihren Ursprung in den hohen Schülerzahlen, die stetig stiegen. Ende des Schuljahres 1941/42 besuchten 125 Kinder die Oberschule; alle aus etwa 20 verschiedenen Orten. Es wurde dringend um die Errichtung einer 6. Klasse gebeten, auch weil die Schüler auf Grund der Verkehrsverhältnisse keine Möglichkeit hatten, an die Oberschule Marienberg zu kommen. Die oberen Klassen sollten dort zusammengefasst werden, denn noch hatte die Oberschule für Jungen in Olbernhau den Status einer Zubringeschule. 

In den darauffolgenden Jahren stiegen die Schülerzahlen, sowie die Lehrerzahlen immer weiter an, sodass im Schuljahr 1944/45 schon insgesamt 243 Schüler bei 7 Lehrern lernten. Außerdem existierten bereits 2 erste Klassen. Mit jedem Schuljahr erweiterten sich die Klassenstufen, doch es waren immer noch zu wenig Lehrer. Deshalb wurde der Studienrat Haupt der Olbernhauer Oberschule im Jahr 1942 für 4 Monate abgeordnet. 

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurden alle Lehrer der Olbernhauer Oberschule durch den Ortsausschuss der freien Gewerkschaften Olbernhau auf ihre nationalsozialistische Vergangenheit überprüft.
Studienrat Hans Jacob bat im Oktober 1945 die Landesverwaltung Sachsen um die Neubesetzung der Stelle des Mathematiklehrers. Bis dahin konnten die anderen Lehrer das Defizit zumindest für die kleineren Klassen kompensieren. Die Oberklassen wurden in der Zwischenzeit von Lehrern der Handelsschule Olbernhau unterrichtet. Als Gegenleistung halfen Kollegen der Oberschule in deren Klassen aus. Dies war dann allerdings aufgrund der neuen Stundentafeln nicht mehr möglich. Es wurde nun eine neue Kraft für Mathematik, Physik und Chemie benötigt sowie ein weiterer Lehrer zur erneuten Bildung der Klasse 1. Außerdem fehlten Lehrkräfte für Musik und Zeichnen. Im November 1945 wurden 13 Lehrer gebraucht, vorhanden waren 6 hauptamtliche und eine weitere Fachkraft. Um die Stundentafel erfüllen zu können, versuchte der seit 1943 amtierende Schulleiter Paul Starke die Weiterbeschäftigung des einzigen Lateinlehrers Hans Böttcher zu erreichen. 

Später wurde um die Errichtung einer 7. und einer 8. Klasse gebeten, da die Schüler bisher ab der Klasse 7 auf die Oberschule Marienberg wechseln mussten, was mit hohen Fahrtkosten und mehr Verpflegungsaufwand verbunden war. Die 8. Klasse sollte dann die Abiturklasse bilden. Es standen bereits für beide Klassen je 13 Schüler zur Verfügung. Auch die Eltern hegten Interesse an der Einrichtung dieser Klassen, unter anderem deshalb, weil ihre Kinder sonst lange Zeit nicht zu Hause waren. Die Oberschule Olbernhau hatte durch die wachsenden Klassenzahlen eine größere Bedeutung erlangt, als nur die einer Zubringeschule. Aus diesem Grund musste die Schule bald schon in ein anderes Gebäude umziehen. 1945 fiel der Unterricht aus organisatorischen Gründen von Mai bis Oktober aus, danach fand er in der ehemaligen Berufsschule in der Schulstraße, der heutigen Goethestraße, an der Ecke zur Grünthaler Straße statt. Am 31.10.1945 wurde die 7. Klasse schließlich genehmigt und die Oberschule für Jungen auf Grund der zentralen Lage und der Klassenstärke als vollwertiger Schulorganismus anerkannt. 

Sozialistische Einheitsschule

„Demokratisierungsprozess“ in der deutschen Schule (1945 – 1950)

 

„Nicht nur der Schutt der zerstörten Städte, auch der reaktionäre Schutt aus der Vergangenheit muß gründlich hinweggeräumt werden!“

Dieser Ausruf der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) vom 11. Juni 1945 spiegelt am besten das Vorgehen der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD), der obersten Besatzungsbehörde in der Sowjetischen Besatzungszone des gerade im Zweiten Weltkrieg besiegten Deutschlands, wider. Das Ziel war, die deutsche Gesellschaft von Überresten der NS-Diktatur zu befreien und das Land wiederaufzubauen. Auch im Schulwesen kam es zu zahlreichen Veränderungen. 

Nach den Grundsätzen im Bereich der Volksbildung der am 5. April 1945 veröffentlichten „Richtlinien der KPD für Arbeit der deutschen Antifaschisten in dem von der Roten Armee besetzen Gebiet“ sollten unter anderem „alle nazistische, militarische und andere reaktionäre Literatur aus Schulen und Bibliotheken entfernt werden.“ Außerdem sollten nur Lehrer unterrichten, die nicht mit NS-Vergangenheit belastet waren. Diese Verordnung wurde dann auch im Befehl Nr. 40 der SMAD „Anordnung über dem Schulbeginn und die Säuberung von Schule und Lehrerschaft von faschistischen Einflüssen“ verankert. Mit diesen beiden Bestimmungen stand am 1. Oktober 1945, dem Tag der Wiederaufnahme des Unterrichts, das neu entwickelte „antifaschistisch-demokratische“ Bildungskonzept jedoch vor zwei großen Problemen. Erstens gab es nicht genug geeignete Lehrbücher. Aus diesem Grund wurde der Schulbuchverlag „Volk und Wissen“ gegründet, um die Versorgung der Schulen mit Lehrwerken sicherzustellen. Die zweite große Herausforderung stellte der Mangel an geeigneten Lehrern dar. Zur Lösung dieses Problems wurden kurzfristige Neulehrerkurse eingerichtet, die als Umschulungsprogramme dienten, wobei in der sowjetischen Besatzungszone besonders junge Arbeiter gefördert wurden. 

Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule 

Ein bedeutender Meilenstein des Demokratisierungsprozesses war das „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule“ vom Mai, bzw. Juni 1946, das für die ganze sowjetische Besatzungszone in nahezu gleicher Fassung „als grundlegendes Dokument der antifaschistisch-demokratischen Umgestaltung des Schulwesens“ in Kraft trat. Demokratisierung laut des oben genannten Gesetzes bedeutete, dass die Schule „von allen Elementen des Militarismus, des Imperialismus, der Völkerverhetzung und des Rassenhasses frei sein muß.“ Zugleich musste sie „allen Jugendlichen [...] das gleiche Recht auf Bildung und seine Verwirklichung“ garantieren. Als Hauptziel wurde hier die Erziehung der Jugendlichen zu „selbstständig denkenden und verantwortungsbewußt handelnden Menschen [...], die fähig und bereit sind, sich voll in den Dienst der Gemeinschaft des Volkes zu stellen“ verankert. Der Träger des Schulsystems „der demokratischen Einheitsschule“ war ausschließlich der Staat. Die demokratische Einheitsschule war ein vierstufiges System. Die erste Stufe, die Vorstufe, war der Kindergarten, der die Kinder zur Schulreife führen sollte. An diesen knüpfte die zweite Stufe, die Grundschule, in welche alle Kinder eintreten mussten, die das sechste Lebensjahr vollendet hatten. „Die Grundschule ist obligatorisch. Sie umfaßt acht Klassen in denen Deutsch, Geschichte, Heimatkunde, Geographie, Biologie, Physik, Chemie, Mathematik, Fremdsprachen, Kunstund Werkunterricht, Musik und Leibesübungen unterrichtet werden. Im 5. Schuljahr beginnt für alle Schüler der Unterricht in einer modernen Fremdsprache. Im 7. und im 8. Schuljahr werden überall zusätzlich Kurse eingerichtet, vor allem in einer zweiten Fremdsprache, in Mathematik und in naturwissenschaftlichen Fächern“ Die dritte Stufe des Bildungssystems wurde als Oberstufe bezeichnet und stellte mit den drei weiterführenden Schultypen, der Berufsschule, Fachschule und Oberschule sowie mit verschiedenen Bildungseinrichtungen für Berufstätige wie z. B. Abendschulen, Volkshochschulen u. a. ein komplexes System der Weiterbildung dar. Die Berufsschule umfaßt drei Jahre; sie ist obligatorisch für alle Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren, welche die Grundschule beendet haben und keine andere Schule besuchen. Die Berufsschule [...] gibt dem [...] Jugendlichen die Möglichkeit, neben einer berufstheoretischen Ausbildung seine Allgemeinbildung zu erweitern.“ In der Fachschule wurde der Unterricht der Berufsschule weitergeführt. Die Schüler erhielten sowohl eine tiefgründigere berufsbezogene als auch erweiterte Allgemeinbildung, die mit den Inhalten des oberschulischen Unterrichts übereinstimmte. Nach der erfolgreichen Beendigung der Fachschule konnte man sich um einen Studienplatz an einer Hochschule bewerben. „Die Oberschule umfaßt vier Jahre. Sie vermittelt Wissen und entwickelt Fähigkeiten, die den Besuch der Hochschule ermöglichen. In der Oberschule werden [...] Kurse eingerichtet,welche die Differenzierung, die im 7. Jahr der Grundschule begann, systhematisch fortsetzen.“ Die vierte Stufe der demokratischen Einheitsschule war die Hochschule, bzw. Universität, wo die Bildung durch spezielle Gesetze und Verordnungen geregelt wurde. 

Der Unterricht erfolgte auf allen Stufen nach Lehrplänen, „welche die Systematik und Wissenschaftlichkeit des Unterrichts“gewährleisten sollten. Es wurde auch auf Bildungsgleichheit Wert gelegt, besonders wenn es sich um Arbeiterund Bauernkinder handelte. „Der Unterricht in der Grundschule und der dreijährigen Berufsschule ist unentgeltlich. Kindern minderbemittelter Eltern wird die weitere Bildung in der Oberschule und Hochschule durch Schulgeldfreiheit, Stipendien, Beihilfen und andere Maßnahmen ermöglicht. 

Die Schulverwaltung und Schulaufsicht wurde in der ersten Linie von dem Präsidenten des Landes (d. h. Präsidenten des Landtages) ausgeübt. „Im Auftrage des Präsidenten des Landes üben die Volksbildungsämter der Kreise oder der kreisfreien Städte die Leitung und Aufsicht des Schulwesens aus. Ihnen unterstehen alle Erziehungsanstallten ihres Gebietes außer den Universitäten und Hochschulen [...]. Die Verantwortung für die einzelne Schule trägt deren Leiter. [...] Die Lehrerkonferenz ist beratendes Organ des Leiters. [...] In den Jahren des Neuaufbaues der Einheitsschule werden zur Unterstützung der Schulbehörden Vertreter der demokratischen Parteien und Organisationen im weitesten Umfange herangezogen. [...] Es werden an den einzelnen Schulen Ausschüsse der Eltern gebildet, die der Schulleitung in allen wichtigen Fragen beratend zur Seite stehen. [...] Es soll Vertretern der demokratischen Jugendorganisationen Gelegenheit gegeben werden, gemeinsam mit den Elternausschüssen beratend im Schulleben mitzuwirken.
Mit dem „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule“ begann ein neues Kapitel des deutschen Schulwesens. Es wurde nicht nur die Einheit des Bildungssystems erzielt, sondern es wurden auch klare Strukturen geschaffen. Das Bildungskonzept ging Hand in Hand mit der sich neu entwickelten Gesellschaftsordnung, in der die Arbeiter und Bauern die führende Rolle ausüben sollten. Das Bildungssytem orientierte sich auf die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte für Volkswirtschaft und „auf eine verstärkte politisch-ideologische Erziehungsarbeit durch die Lehrer, um überzeugte Kämpfer für eine antiimperialistische Ordnung [...] heranzubilden“
Im Juni 1946 führte man auch die sogenannte Landschulreform durch, in deren Rahmen die Anzahl der einklassigen Schulen wesentlich sank und stattdessen neue Zentralschulen befördert wurden. Am 1. Juli 1946 wurden auch neue Lehrpläne für Grundund Oberschulen sowie für Kindergärten eingeführt.
Anlässlich des IV. Pädagogischen Kongresses, der vom 23. - 25. August 1949 stattfand, wurde proklamiert, dass die „Entwicklung der antifaschistisch-demokratischen Schule [...] im wesentlichen erfüllt“ war. In der Zeit der Tagung des Kongresses, am 24. August 1949, wurden auch „Schulpolitische Richtlinien“ als Beschluss des Parteivorstandes der SED verabschiedet. „Mit der Verwirklichung der „Schulpolitischen Richtlinien“ begann die deutsche demokratische Schule Aufgaben der sozialistischen Erziehung zu erfüllen.“
Die durchgeführten Reformen wurden auch im Artikel 37 und im Artikel 38 der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik vom 7. Oktober 1949 verankert. „Zur Durchführung des Artikels 38 der Verfassung der DDR [...] wurde im Schulpflichtgesetz die allgemeine Schulpflicht vom beginnenden 7. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr festgelegt.“ Das Schulpflichtgesetz trat im Dezember 1950 in Kraft. 

 

Erste Abiturprüfungen und Probleme der Nachkriegszeit- Schulgeschichtliche Entwicklung 1946 bis 1950

 

1946 wurden an der Olbernhauer Oberschule erstmals Abiturprüfungen, damals „Reifeprüfungen“ genannt, durchgeführt. Die ersten Planungen fanden Anfang März desselben Jahres statt. Der Reifeprüfungsausschuss traf sich noch vor dem täglichen Unterricht und beschloss die Trennung der 8. von der 7. Klasse in Mathematik und Deutsch. In Erdkunde, Physik und Biologie bekamen die Schüler Ergänzungsstunden. Zu diesem Zeitpunkt konnten alle „Zöglinge“ der 8. Klasse zu den Prüfungen zugelassen werden.

Die vier Jungen und sieben Mädchen sollten einen deutschen Aufsatz, eine mathematische Arbeit, eine englische Arbeit und unter Vorbehalt eine physikalische Arbeit schreiben. Mündlich waren Prüfungen in Deutsch, Mathematik, Latein und physikalische Erdkunde geplant. 

Am 24.05.1946 waren es in der 8. Klasse der Oberschule Olbernhau nur noch drei Jungen und fünf Mädchen. In die 7. Klasse gingen zu dieser Zeit sieben Jungen und vier Mädchen. Damit war die 4. Klasse mit ihren 28 Jungen und 10 Mädchen die stärkste an der damaligen Oberschule Olbernhau. Insgesamt genossen im Frühjahr 1946 161 Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit einer höheren Bildung. 

Schulleiter war zu dieser Zeit Dr. Paul Starke, welcher auch die Fächer Erdkunde, Biologie und Deutsch unterrichtete. Dr. Nikolaus Tanner lehrte Erdkunde,Biologie und Geschichte. Charlotte Eberlein war für die Zeugnisse zuständig, unterrichtete aber auch Mathematik, Deutsch und Englisch. Desweiteren wurde den Schülern Mathematik und Physik von Paul Walther beigebracht. In Englisch und Französisch wurden sie von Augusta Heinrich unterrichtet. Einziger Lehrer für Chemie war Siegfried Hänig. 

Abb.2: Dr. Paul Starke

 

Nach dem Kriegsende in Deutschland wurde die Russischlehrerin Erna Janka aus Böhmen eingestellt, sie wurde als „eine unglaublich dynamische Frau“ beschrieben.

Abb.3: Russischlehrerin Erna Janka

 

Da es bedingt durch die Kriegsfolgen immer noch große Schwierigkeiten mit den Räumlichkeiten, Zeiteinteilungen und der Ernährung gab, waren außerunterrichtliche
Veranstaltungen nicht realisierbar. Durch die Entfernung aller nationalsozialistischer Lehrmittel und -bücher herrschte diesbezüglich eine allgemeine Knappheit, da die Schüler nur vereinzelt ältere Bücher von den Eltern bekommen konnten. An neuen Lehrbüchern gab es nur das „Rechenbuch Teil 1-3“, „Geometrieaufgaben für das 3.-5. Jahr/ 6.-8. Jahr“, „Elementarphysik mit Chemie“, „Grundriss der Physik“ und „Deutsche Sprachlehre“. Durch die zeitweise Verwendung der Schule für fremde Zwecke während des Zweiten Weltkrieges, wie z. B. Für medizinische Versorgung, entstanden große Schäden. Dies betraf den Bestand der Schüler- bzw. Lehrerbibliothek, die Wandtafeln und Staffeleien, wie auch die Landkartenhalter. Durch den Mangel an finanziellen Mitteln konnten die Schäden nicht behoben werden, sodass die Lehrer wenig Material für die Veranschaulichung zur Verfügung hatten. 

Die Lehrer waren wegen großer „Überlastung mit beruflichen Arbeiten, bei der körperlichen Entkräftung und unter dem Druck schwerer, z. T. lebensbedrohender Ernährungskrankheiten“ nicht in der Lage größere Nebenarbeiten zu verrichten. Somit konnten sie maximal gelegentlich, ehrenamtlich tätig werden oder wichtige Veranstaltungen und Beratungen im schulischen Bereich besuchen. 

Schon damals wurde auf die Regeln im Straßenverkehr wertgelegt. So gab es zum Beispiel vom 20. bis 26.05.1946 innerhalb des Unterrichts eine Verkehrserziehungswoche in allen Klassen, aber vor allem in der 2. bis 4. Klasse, in der auf die allgemeinen Straßendisziplin hingewiesen wurde. 

Am 05.06.1946 traf sich der Reifeprüfungsausschuss zum zweiten Mal. Wegen der Entlassung des Englischlehrers Böttcher sollte die betreffende Prüfung durch Latein ersetzt werden. Die Termine für die schriftlichen Prüfungen wurden auf den 08.07.1946 bis 11. 07.1946 und die mündlichen Prüfungen auf den 13.07.1946 festgelegt. 

Einen Tag später verfasste der Schulleiter eine Zusammenfassung über die geplanten Reifeprüfungen. In diesem Text an die Landesverwaltung Sachsen wurden als schriftliche Prüfungen Mathematik, Deutsch, Englisch und Erdkunde angegeben. Als mündliche Prüfungen waren dann Deutsch, Mathematik, Englisch und Physik geplant. Englisch hing allerdings noch von der Zustimmung des Bezirksschulrates ab. Die Prüfung im Fach Deutsch sollte wegen Ermangelung eines Fachlehrers vom Schulleiter Dr. Paul Starke persönlich durchgeführt werden, obwohl er kein Germanist war und nicht über das komplette fachliche Wissen verfügte. Für die englische Prüfung bat der Schulleiter um eine Zuweisung der Schüler an eine Chemnitzer Schule, da in Olbernhau nicht die nötigen Mittel zur Verfügung standen. Die Termine der schriftlichen Prüfung wurden auf den 04. bis 08.07.1946 vorverlegt; die mündliche Prüfung sollte am 13.07.1946 bleiben. Die Anzahl der Prüflinge war auf fünf Mädchen und einen Jungen geschrumpft. 

Abb. 4: erster Abiturjahrgang 1946

 

Vier Tage vor der ersten Prüfung, also am 25.06.1946 wurde beschlossen, dass das Lateinische von Frl. Dr. Richter von der Volksschule Olbernhau geprüft werden sollte. Die schriftliche Prüfung in Englisch sollte Herr St. Rat Dr. A. Kölbel auf dem Karl-Marx- Platz in Chemnitz durchführen. 

Am nächsten Tag wurden dann die genauen Termine der einzelnen Prüfungen bekanntgegeben: Mathematik am Freitag, dem 28.06.1946; Englisch am Sonnabend, dem 29.06.1946; Deutsch am Montag, dem 01.07.1946 und am Dienstag, dem 02.07.1946 Erdkunde. Die mündliche Prüfung sollte am 12. bzw. 13. Juli stattfinden. 

Der Ablauf einer Prüfung ähnelte stark unserem heutigen. Acht Uhr war Beginn und zuerst wurden die Schüler auf „die schweren Folgen eines Täuschungsversuchs“ hingewiesen. Nachdem das Papier und die Aufgaben ausgeteilt wurden, begann die reine Arbeitszeit von fünf Stunden für die Mathematikprüfung. 

Das späteste Ende sollte 13.30 Uhr sein. 

Die zweite Prüfung fand einen Tag später in Chemnitz statt. Als Prüfer der Englischarbeit fungierte Stud. Rat Dr. A. Kölbel. Als Arbeitszeit standen den Schülern insgesamt drei Stunden zur Verfügung. 

Vor der mündlichen Prüfung gab es eine weitere Sitzung des Reifeprüfungsausschusses. Die Anwesenden Dr. Starke, Paul Walther, Dr. Tanner und Siegfried Hänig befanden, dass die schriftliche Englischprüfung von Dr. Kölbel leichter war als die vorgeschlagene Arbeit. Der Prüfungsleiter war Herr Min. Rat Bretschneider. Von den Anwesenden wurde eine kleine Entlassungsfeier der Prüflinge gewünscht. 

Durch die Schülerschaft aus verschiedenen Orten musste eine Koordination zwischen öffentlichen Verkehrsmitteln und Schule realisiert werden. So kam es im August 1946 zur Bitte des Schulleiters an den Herrn Kreisschulrat „für die Oberschule Kurzstunden von 45 Minuten zu genehmigen“, damit die Schüler ihre Züge zur Schule und nach Hause schafften. Aus demselben Grund war auch der Nachmittagsunterricht nur in einzelnen Fällen möglich. An diesem Beispiel sieht man, dass es schon früher ähnliche Probleme gab wie heute und sich der Unterricht nach wie vor an die Zeiten von Bus oder Bahn halten musste und muss. 

Eine Zählung im Oktober 1946 ergab, dass die Gesamtzahl aller Lernenden 153 Schüler betrug. Allein davon waren 130 Kinder unterernährt. Deshalb wurden jede Woche 29 kg Mehl mehr benötigt, um diese Mangelerscheinungen zu beseitigen. 

Von August 1947 bis Mai 1948 wurden regelmäßig Meldungen über Wochenstunden pro Klasse, besetzte und genehmigte Stellen, Lehrkräfte und Schülerzahlen erhoben. Diese ergaben folgende Ergebnisse: Die Planstellen waren immer um eine Kraft überschritten, bei den Wochenstunden gab es anfangs auch eine Überschreitung von sechs Stunden. Ab 1948 konnten dagegen für einen längeren Zeitraum nie alle 22 genehmigten Wochenstunden ausgeschöpft werden. 

Die Schülerzahlen gingen leicht von 135 (27.10.1947) auf 124 Schüler (08.05.1948) zurück. 

Im Jahr 1948 gab es an der Oberschule Olbernhau eine Turnhalle, einen Sportplatz sowie die Gelegenheit zum Schwimmunterricht. Im Schulchor und -orchester hatten alle Schüler die Möglichkeit ihre musikalische Begabung auszuleben, da es im Unterricht keine Musikkurse gab. Ebenso waren Zeichenkurse nicht möglich. 

1949 wurden nach Vorgabe neuer bildungspolitischer Ziele durch die Führung der DDR die Klassenjahrgänge verdoppelt und aus der 5. Klasse eine 5a und 5b gebildet. Da kurze Zeit später, in der 6. Klasse, aber viele Schüler durch die Erhebung eines Schulgeldes von 20 RM pro Monat nicht mehr zur Schule gehen konnten und arbeiten mussten, wurden die beiden Klassen wieder vereinigt. 

Im Januar 1949 bestanden die Kurse Wirtschaftsgeografie, Botanik, Astronomie, Physik, Chemie und Psychologie. Allerdings gab es immer noch Lehrermangel. So wurde für acht Stunden ein Fachlehrer Deutsch gebraucht. In Geschichte herrschte das größte Defizit mit 18 Stunden; Mathematik, Physik und Chemie lagen mit einem Bedarf von 11 bis 12 Stunden eher in der Mitte. Daraufhin wurden 1950 mehrere neue Lehrer eingestellt.

 

Schulgeschichtliche Entwicklung von 1950 – 1970

 

Während 1946 die höhere Bildung noch in die Oberschule integriert war, wurde eine Differenzierung des Bildungsweges mit dem „Gesetz über die soziale Entwicklung des Schulwesens“ von 1959 eingeleitet. Neben dem Oberschulabschluss nach der 10. Klasse bestand die Möglichkeit des Erwerbs eines erweiterten Oberschulabschlusses nach der 12. Klasse, welcher zur Hochschulreife führte. Diese zwei jährige Intensivierung der Schulzeit wurde jedoch 1965 auf vier Jahre aufgestockt, wodurch allerdings auch die Möglichkeit eines Abschlusses nach der 8. Klasse, drei Jahre später auch nach der 10. Klasse, möglich war. 

Ein solcher erweiterter Oberschulabschluss war unter anderem auch in der Oberschule Olbernhau möglich, deren Sitz sich zum damaligen Zeitpunkt in der Goethestraße 4 befand. Dieser wurde 1949 anlässlich des 260. Geburtstages von Johann Wolfgang von Goethe der Name „Goethe – Oberschule“ verliehen. Erst durch das „Gesetz über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens“ von 1959 wurde der höhere Bildungszweig, welcher in die OS integriert war, als EOS betitelt; die Oberschule behielt allerdings weiterhin ihren Namen. 

Zu Dienstzeiten des Direktors Ottomar Laux', welcher sein Amt von 1949 – 1953 ausübte, wurde ein Antrag zum Bau einer neuen Oberschule in Olbernhau gestellt. Der Plan sah vor, dass eine Schule mit angegliedertem Internat und einer Schülerkapazitat von 600 Lernenden errichtet werden sollte. Grund dafür war der unzureichende Zustand des Schulgebäudes, jedoch wurde der Antrag wenige Monate später abgelehnt. Doch dies war nicht das einzige Problem, welches es in den Anfangsjahren der DDR zu überwinden galt. 

Neben den schwankenden Stundenzahlen, welche zum Beispiel auf geringe Erfahrungen und noch nicht abgeschlossene Erkentnisse über die zu verteilende Anzahl der Unterrichtsstunden zurückzuführen sind, hatten die Schulen mit akutem Lehrermangel zu kämpfen. Dieser wurde durch das Entlassen zahlreicher Lehrer im Zuge der Entnazifizierung hervorgerufen. Um diesen Missstand zu mindern, wurden Lehrer ohne abgeschlossene Ausbildung eingestellt, wobei dennoch der Lehrerbedarf nicht in allen Fächern komplett gedeckt werden konnte. Der damalige Fächerkanon ist bis auf die Ausnahme von Religion und Französisch vergleichbar mit dem heutigen, allerdings war der Inhalt des Unterrichts in der DDR z.T. stark von deren politisch – ideologischen Ausrichtung geprägt. Auch bei der Aufnahme neuer Schüler war die politische und soziale Stellung nicht unentscheidend. Somit hatten Arbeiter – und Bauernkinder, Jugendweihlinge, Schüler mit guten Leistungen und Mitglieder einer SED Organisation bessere Chancen auf einen Schulplatz als Schüler, die nicht in das gesellschaftliche Bild passten. Ein weiterer Grund für die Ablehnung einiger Schüler war die Kapazitätsobergrenze, durch welche nur eine bestimmte Anzahl von Neuaufnahmen möglich war. Über den Erwerb eines Platzes entschieden die oben genannten Auswahlkriterien. 

Prof. Dr. Werner Kaden, welcher von 1953 – 1956 Direktor der „Goethe – Oberschule“ war, übte sein Lehreramt auch in der Zeitspanne von 1952 bis 1955 aus, als die vorhandenen Plätze und somit auch die Gesamtschülerzahlen der EOS von ca. 124 auf 245 drastisch anstiegen. In den darauf folgenden Jahren, und somit in den Amtsjahren des Schulleiters Herbert Löchners (1956 – 1962), blieb der Wert mit ca. 200 Plätzen konstant. 

Erst mit der Reform von 1965, als Dieter Lang den Direktorenposten ausübte ( 1962 – 1970 ), sanken die Schülerzahlen auf ca. 165. 

Abb. 5: Abiturjahrgang 1967

 

Trotz dieser teilweise schwankenden Werte befand sich die Klassenstärke immer konstant bei ca. 25 Schülern, womit meist 2 Klassen des 8. und 9. Jahrganges und eine des 11. und 12. Jahrganges zu Stande kamen.
Nach Abschluss der Reifeprüfung in der 12. Klasse, welche in schriftliche und mündliche Prüfung untergliedert war, setzten die meisten Schüler ihre schulische Laufbahn an einer Universität fort. Neben den positiven Seiten, welche die „Goethe – Oberschule“ hinsichtlich der Bildung zu bieten hatte, gab es allerdings auch an dieser Schule einige Missstände, wie zum Beispiel das Fehlen eines einheitlichen Schulgebäudes, veraltete Räumlichkeiten und die gemeinsame Nutzung der Turnhalle aller Olbernhauer Schulen . Auch die Essensversorgung stellte ein Problem dar, da die Oberschule keine eigene Schulküche besaß und die Schüler somit ihre Mahlzeiten in der Mittelschule einnehmen mussten. 

Ein weiterer erwähnenswerter Aspekt ist die wissenschaftlich-praktische Arbeit. Diese war Teil der Hochschulreife mit dem Ziel, „die sozialistische Erziehung systematisch fort[zu]setzen.“ Den Schülern sollte die praktische Arbeit, beispielsweise in Kooperationsgemeinschaften der Land – und Nahrungsgüterwirtschaft, näher gebracht und der Gemeinschaftsgeist gestärkt werden.

Abb.6: Kartoffelernte in den Herbstferien

 

 

Abbildungsverzeichnis:

Abb.1: StA Chemnitz, Postkartensammlung von Olbernhau und Umgebung
Abb.2: Dr. Paul Starke, Fotoalbum von Professor Deckart
Abb.3: Erna Janka, Privatalbum von Herrn Herklotz
Abb.4: Erster Abiturjahrgang, 1946 Privatalbum, Herr Herklotz Abb.5: Abiturjahrgang 1967 ; Quelle: Archiv Familie Seelig
Abb.6: Kartoffelernte in den Herbstferien ; Quelle: Archiv Herr Baumann